Viele Menschen kaufen ein Pfefferspray, legen es in die Handtasche, den Rucksack oder ins Auto und hoffen, es nie benutzen zu müssen. Im Ernstfall bleibt jedoch kaum Zeit, sich erstmals mit der Bedienung auseinanderzusetzen. Deshalb ist es wichtig, das eigene Pfefferspray bereits im Voraus kennenzulernen.
Dieser Ratgeber erklärt, worauf Sie bei der richtigen Anwendung achten sollten und wie sich typische Fehler vermeiden lassen. Informationen zu den gesetzlichen Bestimmungen in der Schweiz finden Sie im Ratgeber Ist Pfefferspray in der Schweiz legal? – Die wichtigsten Regeln einfach erklärt.
Machen Sie sich mit Ihrem Pfefferspray vertraut
Nicht jedes Pfefferspray funktioniert gleich. Je nach Hersteller und Modell unterscheiden sich die Sicherung, der Auslöser, die Reichweite und das Sprühbild.
Bevor Sie ein Pfefferspray mitführen, sollten Sie deshalb folgende Fragen beantworten können:
- Wie wird die Sicherung bedient?
- Wo befindet sich der Auslöser?
- Welche Reichweite hat das Pfefferspray?
- Handelt es sich um einen Sprühstrahl, Sprühnebel oder ein Pfeffergel?
- Bis wann ist das Pfefferspray haltbar?
Je besser Sie Ihr eigenes Modell kennen, desto sicherer können Sie es unter Stress bedienen.
Das Pfefferspray richtig halten
Halten Sie das Pfefferspray so, dass die Dose sicher von der Hand umschlossen wird und Sie den Auslöser bequem mit dem Daumen betätigen können. Dieser sogenannte Daumengriff ermöglicht in der Regel eine stabilere Haltung als die Bedienung mit dem Zeigefinger.
Die übrigen Finger umschliessen dabei das Gehäuse. Dadurch liegt das Pfefferspray fest in der Hand und kann weniger leicht verdreht oder aus der Hand geschlagen werden.
Achten Sie darauf, dass die Sprühöffnung nach vorne und von Ihnen weg zeigt. Bei Dunkelheit oder in einer Stresssituation sollte die Ausrichtung möglichst auch ertastet werden können.
Schutzkappe und Sicherung richtig bedienen
Viele Pfeffersprays verfügen über eine Schutzkappe oder eine sogenannte Flip-Top-Sicherung. Sie verhindert, dass das Spray in einer Tasche oder beim Tragen versehentlich ausgelöst wird.
Bei einer Flip-Top-Sicherung wird der Daumen unter die Schutzklappe geschoben. Durch das Anheben der Klappe gelangt der Daumen direkt auf den darunterliegenden Auslöser.
Machen Sie sich mit diesem Mechanismus vertraut, bevor Sie das Pfefferspray mitführen. Die Sicherung sollte auch ohne Hinsehen bedient werden können. Verwenden Sie zum Üben nach Möglichkeit ein dafür vorgesehenes Trainingsspray ohne Pfefferwirkstoff.
Auf einen sicheren Stand achten
Ein stabiler Stand hilft dabei, das Gleichgewicht zu behalten und das Pfefferspray kontrolliert einzusetzen. Stellen Sie die Füsse ungefähr schulterbreit auseinander und gehen Sie leicht in die Knie.
Eine leicht nach aussen gerichtete Beinstellung kann zusätzliche Stabilität geben. Entscheidend ist nicht eine bestimmte Kampfhaltung, sondern dass Sie sicher stehen und nicht leicht nach hinten oder zur Seite aus dem Gleichgewicht geraten.
Vermeiden Sie es, beide Füsse eng nebeneinanderzustellen oder die Beine vollständig durchzustrecken. Halten Sie den Oberkörper aufrecht und bleiben Sie beweglich, damit Sie sich aus der Gefahrensituation entfernen können.
Die freie Hand zum Schutz einsetzen
Während Sie das Pfefferspray mit einer Hand halten, kann die freie Hand vor dem Oberkörper gehalten werden. Sie kann dabei helfen, Abstand zu signalisieren, das Gesicht zu schützen oder einen möglichen Angriff abzuwehren.
Achten Sie jedoch darauf, die Sprühöffnung nicht mit der eigenen Hand zu verdecken.
Die Reichweite des Pfeffersprays kennen
Die wirksame Reichweite unterscheidet sich je nach Produkt, Düsensystem und Sprühbild. Beachten Sie deshalb immer die Angaben des Herstellers.
Kompakte Pfeffersprays besitzen häufig eine geringere Reichweite als grössere Abwehrsprays. Auch Wind, Bewegung und die verbleibende Füllmenge können die tatsächliche Reichweite beeinflussen.
Warten Sie nicht, bis sich eine angreifende Person unmittelbar vor Ihnen befindet. Gleichzeitig sollte Pfefferspray nicht vorsorglich oder ohne eine konkrete Gefahr eingesetzt werden.
Auf das Gesicht zielen
Pfefferspray soll den Bereich von Augen, Nase und Gesicht erreichen. Halten Sie die Dose stabil und richten Sie die Sprühöffnung auf das Gesicht der angreifenden Person.
Statt das Spray unkontrolliert vollständig zu entleeren, sind je nach Situation kurze, gezielte Sprühstösse sinnvoll. Dadurch bleibt eine Wirkstoffreserve erhalten, falls der erste Sprühstoss sein Ziel verfehlt oder die Gefahr weiterhin besteht.
Beachten Sie dabei stets die produktspezifische Bedienungsanleitung.
Sprühstrahl, Sprühnebel oder Pfeffergel
Die richtige Anwendung hängt auch vom verwendeten Sprühsystem ab.
Sprühstrahl
Ein gebündelter Flüssigstrahl erreicht meist eine grössere Entfernung und ist weniger windanfällig als ein feiner Sprühnebel. Dafür muss genauer auf das Gesicht gezielt werden.
Sprühnebel
Ein Sprühnebel verteilt sich auf einer grösseren Fläche und erfordert daher weniger Zielgenauigkeit. Er kann jedoch leichter durch Wind verweht werden und birgt ein höheres Risiko einer Eigenkontamination.
Pfeffergel
Pfeffergel wird als gebündelter, gelartiger Strahl abgegeben. Es ist vergleichsweise windstabil und verteilt sich weniger stark in der Umgebung. Allerdings muss auch Pfeffergel möglichst genau auf das Gesicht treffen.
Mehr über die verschiedenen Sprühsysteme sowie deren Vor- und Nachteile erfahren Sie in unserem Ratgeber Pfefferspray-Arten erklärt: Strahl, Nebel, Gel und Schaum.
Wind und Umgebung berücksichtigen
Wind kann die Flugbahn und Verteilung des Wirkstoffs beeinflussen. Besonders bei Sprühnebel besteht die Gefahr, dass ein Teil des Pfeffersprays zurückgeweht wird.
Sofern es die Situation zulässt, sollten Sie die Windrichtung beachten und sich nicht direkt gegen den Wind positionieren. Bei einem starken Seitenwind kann auch ein Flüssig- oder Gelstrahl abgelenkt werden.
In geschlossenen Räumen, Fahrzeugen oder engen Bereichen kann sich der Wirkstoff stärker verteilen. Dadurch können auch die anwendende Person und unbeteiligte Personen betroffen sein.
Nach dem Einsatz sofort Distanz schaffen
Ein Pfefferspray garantiert nicht, dass eine angreifende Person sofort vollständig handlungsunfähig wird. Menschen können unterschiedlich stark auf den Wirkstoff reagieren. Auch Alkohol, Drogen, psychische Ausnahmesituationen oder eine ungenaue Trefferlage können die Wirkung beeinflussen.
Nutzen Sie den Einsatz deshalb nicht, um die Auseinandersetzung fortzusetzen. Das Ziel besteht darin, sich aus der unmittelbaren Gefahr zu lösen, Distanz zu schaffen und einen sicheren Ort aufzusuchen.
Behalten Sie die Situation im Blick und rechnen Sie damit, dass sich die betroffene Person weiterhin bewegen oder Ihnen folgen kann.
Polizei verständigen und Vorfall melden
Sobald Sie sich in Sicherheit befinden, sollten Sie die Polizei verständigen. In der Schweiz erreichen Sie die Polizei über die Notrufnummer 117.
Schildern Sie möglichst sachlich:
- wo sich der Vorfall ereignet hat,
- was passiert ist,
- warum Sie sich bedroht fühlten,
- dass Pfefferspray eingesetzt wurde,
- in welche Richtung sich die beteiligten Personen entfernt haben.
Ein Pfefferspray darf nicht grundlos oder zur Bestrafung einer anderen Person eingesetzt werden. In der Schweiz muss die Anwendung durch eine Notwehr- oder Notstandssituation gerechtfertigt sein.
Gerät die betroffene Person durch den Einsatz in eine ernsthafte Gefahrensituation, kann unter Umständen eine Pflicht zur Hilfeleistung bestehen. Nach Art. 128 StGB (Unterlassung der Nothilfe) ist im Rahmen des Zumutbaren Hilfe zu leisten. Bringen Sie sich deshalb zunächst selbst in Sicherheit. Sorgen Sie anschliessend – soweit dies ohne Eigengefährdung möglich ist – für die notwendige Hilfe, indem Sie den Rettungsdienst oder die Polizei verständigen.
Was tun bei einer Eigenkontamination?
Durch Wind, Abpraller, Berührungen oder eine falsche Ausrichtung kann es vorkommen, dass Sie selbst Pfefferspray abbekommen.
In diesem Fall sollten Sie:
- die Augen und die betroffene Haut nicht reiben,
- frische Luft aufsuchen,
- die Augen mit reichlich sauberem Wasser ausspülen,
- Kontaktlinsen möglichst entfernen,
- kontaminierte Kleidungsstücke vorsichtig ausziehen,
- bei starken oder anhaltenden Beschwerden medizinische Hilfe anfordern.
Durch Reiben kann der Wirkstoff weiter auf der Haut verteilt und tiefer in die Augen eingebracht werden.
Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Ratgeber Pfefferspray in den Augen oder auf der Haut – was tun?
Häufige Fehler bei der Anwendung
Viele Probleme entstehen nicht durch das Pfefferspray selbst, sondern durch eine unzureichende Vorbereitung.
Das Pfefferspray ist nicht erreichbar
Ein Pfefferspray, das tief in einem Rucksack oder unter anderen Gegenständen in einer Handtasche liegt, kann im Ernstfall möglicherweise nicht rechtzeitig erreicht werden.
Die Sicherung wurde nie ausprobiert
Wer den Auslösemechanismus nicht kennt, verliert unter Stress wertvolle Zeit oder hält das Spray möglicherweise falsch herum.
Das Ablaufdatum wurde nicht kontrolliert
Mit zunehmendem Alter kann der Druck in der Dose nachlassen. Kontrollieren Sie deshalb regelmässig das Ablaufdatum und den äusseren Zustand des Behälters.
Die Reichweite ist unbekannt
Verlassen Sie sich nicht auf allgemeine Angaben zu Pfefferspray. Informieren Sie sich über die Reichweite Ihres konkreten Modells.
Das Spray wurde falsch gelagert
Extreme Hitze, direkte Sonneneinstrahlung und Frost können die Funktionsfähigkeit beeinträchtigen. Beachten Sie die Lagerungshinweise des Herstellers.
Der Sprühkopf wird versehentlich verdeckt
Finger, Kleidungsstücke oder die freie Hand dürfen sich nicht vor der Sprühöffnung befinden.
Mit einem Trainingsspray üben
Ein Trainingsspray enthält keinen Pfefferwirkstoff und ermöglicht es, die Handhabung gefahrlos zu üben. Je nach Modell kann damit die Bedienung der Sicherung, der Daumengriff, die Reichweite und das Sprühbild kennengelernt werden.
Idealerweise verwenden Sie ein Trainingsmodell, das dem tatsächlich mitgeführten Pfefferspray möglichst genau entspricht. Dadurch unterscheiden sich Form, Sicherung und Auslösemechanismus beim Üben nicht vom späteren Einsatzprodukt.
Üben Sie nur in einer geeigneten Umgebung und achten Sie darauf, dass keine Personen, Tiere oder empfindlichen Gegenstände getroffen werden.
Pfefferspray regelmässig kontrollieren
Überprüfen Sie Ihr Pfefferspray in regelmässigen Abständen auf:
- das Ablaufdatum,
- Beschädigungen oder Rost,
- Undichtigkeiten,
- eine blockierte oder verschmutzte Düse,
- die Funktionsfähigkeit der Schutzkappe,
- eine sichere und gut erreichbare Aufbewahrung.
Ein bereits eingesetztes Pfefferspray sollte ersetzt werden, auch wenn sich noch Wirkstoff in der Dose befindet. Nach einer Teilentleerung lässt sich nur schwer beurteilen, wie viel Inhalt und Druck noch vorhanden sind.
Fazit: Vorbereitung ist entscheidend
Ein Pfefferspray kann nur dann zuverlässig helfen, wenn es erreichbar ist und richtig bedient wird. Machen Sie sich deshalb bereits vor einem möglichen Ernstfall mit dem Daumengriff, der Schutzkappe, dem Sprühbild und der Reichweite Ihres Modells vertraut.
Achten Sie bei einer konkreten Gefahr auf einen stabilen Stand, schaffen Sie möglichst Abstand und nutzen Sie den Einsatz, um sich aus der Situation zu lösen. Verständigen Sie anschliessend die Polizei und leisten Sie bei einer versehentlichen Eigenkontamination die notwendigen Erste-Hilfe-Massnahmen.
Am besten lässt sich die Handhabung mit einem passenden Trainingsspray üben. So lernen Sie die Bedienung kennen, ohne Pfefferwirkstoff freizusetzen. Eine Auswahl an in der Schweiz legalen Pfeffersprays finden Sie im Pfefferspray Store.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Pfefferspray griffbereit tragen: Es sollte im Ernstfall schnell erreichbar sein.
- Bedienung kennen: Machen Sie sich mit Daumengriff, Sicherung und Sprühöffnung vertraut.
- Reichweite beachten: Informieren Sie sich über die Angaben Ihres konkreten Modells.
- Windrichtung berücksichtigen: So lässt sich das Risiko einer Eigenkontamination verringern.
- Nach dem Einsatz Distanz schaffen: Bringen Sie sich in Sicherheit und verständigen Sie die Polizei.